Mönchsdormitorium

Kulisse für lebendiges Mittelalter - Kloster Eberbach

Natürlich legt eine Klosteranlage sich als Filmkulisse auf ein bestimmtes Genre fest. Dennoch kann kaum ein anderer Drehort so authentisch und nachhaltig wirken wie es die ehemalige Zisterzienserabtei Eberbach im Rheingau vermag.

VISION - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

VISION - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Filmplakat

Für die Stiftung Kloster Eberbach eine besondere Begegnung: Margarethe von Trotta bleibt ihrer Vorliebe für klare Frauenporträts treu und zeichnet die titelgebende Seherin, Heilkundige und Komponistin als moderne kämpferische Frau.
Rund ein Jahrhundert nach der Jahrtausendwende wird die aus einer Adelsfamilie stammende Hildegard geboren. Als Achtjährige kommt sie ins Benediktinerkloster Disibodenberg. Abt Kuno (Alexander Held) führt an diesem Ort des Schweigens und Gehorsams ein strenges Regime, übergibt das Kind der Obhut Jutta von Sponheims (Mareile Blendl). Der Magistra wächst das aufgeweckte Mädchen schnell ans Herz, sie fördert dessen musikalische Begabung und gibt ihm all ihr Wissen weiter. Hildegard, die frühe Feministin, die nach dem Tod der Mentorin ihrem Vertrauten, dem Mönch Volmar (Heino Ferch), gesteht, dass sie seit früher Kindheit Visionen hat und Nachrichten von Gott empfängt.
Barbara Sukowa, Lieblingsschauspielerin und "Geistesverwandte" von Trottas, reckt das Kinn vor und kämpft. Sie geht in ihrer Rolle auf, versteht es trotz Nonnentracht zu strahlen, das Charisma von Bingens sichtbar zu machen. Während sich die Filmemacherin mit ihrer Regie zurücknimmt, alles Laute meidet, unauffällig und ruhig inszeniert. Die Dinge passieren im Off, werden im Dialog erläutert. Innen ist der bevorzugte Handlungsort, karge Klöster - gedreht wurde unter anderem in Eberbach (Rheingau) - mit schlicht eingerichteten funktionalen Räumen. Das Ergebnis: Axel Block (Kamera) verwendet kaum künstliches Licht, seine atmosphärischen Bilder sind blau und schwarz, dunkel wie die Zeit mit ihren winzigen Fenstern und wuchtigen Mauern. Nur ganz selten geht der Film nach draußen und gibt den Blick frei. Beispielsweise wenn die Äbtissin und Naturheilkundlerin allen Widerständen zum Trotz 1150 das Frauenkloster Rupertsberg durchsetzt und mit ihren Schwestern auf die Baustelle mitten im Wald zieht. Dort feiert man nach Einzug auch mit einem Singspiel aus Hildegard von Bingens Feder. Sie war eine Frau für die Moderne - was auch die derzeitig stattfindende Renaissance ihrer Musik belegt. (www.kino.de)

Informationen zum Film: www.vision-derfilm.de

In weiteren Rollen: Hannah Herzsprung (Richardis von Stade), Lena Stolze (Jutta), Paula Kalenberg (Clara), Sunnyi Melles (Mutter Richardis'), Annemarie Düringer (Äbtissin Tengwich) - Für die Ausstattung zuständig war Heike Bauersfeld.

Hildegard von Bingen

Unter anderem wurden folgende Szenen in den Räumlichkeiten der Zisterzienserabtei Eberbach gedreht:

In der Basilika:
Kurze Szene zu Beginn des Films in der die kleine Hildegard durch ein Fenster den singenden Mönchen zuschaut. (Hierzu wurde in der Basilika ein großes Holzkreuz aufgebaut)

Im Altarraum der Basilika:
Die Profess der Schwester Richardis. (Längere Szene mit Barbara Sukowa, Hannah Herzsprung, Heino Ferch sowie etwa 15 Nonnen und 35 Mönchen)

Eine Szene in der Hildegard von Schwestern umringt als "Scheintote" liegt. (Mit dabei Mönch Volkmar, Heino Ferch und Abt Kuno, Alexander Held) Hildegard erhält über einen Boten eine Urkunde des Mainzer Erzbischofes, welche ihr erlaubt ein eigenes Kloster zu gründen. Daraufhin verlässt Hildegard zum Erstaunen der anderen Nonne mit neuem Lebensmut das Sterbebett. Auch Abt Kuno verlässt verärgert die Kirche, ihm folgen acht Mönche.

Im Kapitelsaal:
Die kleine Feier, welche nach der Profess von Schwester Richardis stattfindet wurde im Kapitelsaal gedreht. Hier stellt Richardis Hildegard ihren Bruder vor, der sich bei Hildegard für die gute Erziehung seiner Schwester dankt.

Das Kloster Eberbach und der Film "Der Name der Rose"

Buch und Film / Filmaufnahmen im Kloster Eberbach / Genutzte Räumlichkeiten für die Verfilmung

Im Jahre 1980 erschien Umberto Ecos Erfolgsroman "Il nome della rosa", der einerseits ein spannender Krimi, andererseits aber auch ein gelungener historischer Roman ist. Kein Wunder also, dass sich der Regisseur Jean-Jacques Annaud bereits kurze Zeit später daran machte, den Roman "Der Name der Rose" in englischer Sprache für ein internationales Publikum zu verfilmen. Insgesamt sollte das Projekt etwa 45 Millionen Deutsche Mark sowie unzählige Arbeitsstunden für das gesamte Personal kosten, bevor es auf der Leinwand zu sehen war.

Doch wie kam man eigentlich darauf, den "Namen der Rose" im Kloster Eberbach zu drehen?

Zunächst einmal gar nicht. Der akribisch und subtil arbeitende Annaud besuchte mehr als 300 Klöster in verschiedenen Ländern, bis ihn sein deutscher Kollege Bernd Eichinger auf Kloster Eberbach aufmerksam machte. Im Vergleich zu allem bisher gesehenen zeichnete sich das Kloster Eberbach durch seine gute logistische Lage, aber im Besonderen durch die fast vollständig erhaltene architektonische Substanz aus.
Nachdem schließlich der Beschluss gefasst war, fast alle Innenaufnahmen des Films hier zu drehen, konnte das schwierige Projekt in den Jahren 1985 und 1986 in Angriff genommen werden. Schwierig deshalb, weil ein einheitliches Bild eines Benediktinerklosters des 14. Jahrhunderts entstehen sollte, ohne dass nachhaltige Veränderungen an der vorhandenen historischen Substanz und der verschiedenen Baustile im Zisterzienserkloster Eberbach vorzunehmen waren. Den Denkmalschutz berücksichtigend wurde deswegen u.a. mit wieder entfernbaren Requisiten, die zum Teil heute noch während der Besichtigung des Klosters zu sehen sind, und ebenfalls wieder entfernbarer Farbaufträge gearbeitet.

Besonders das Mönchsdormitorium, der Kapitelsaal und die Basilika waren für den Filmdreh relevant: Das Dormitorium (Schlafsaal) der Mönche wurde unter anderem mit Schreibpulten ausgestattet, so dass es im Film das Skriptorium (Schreibsaal) mit der Tür zur geheimnisvollen Bibliothek darstellen konnte. Der Eberbacher Kapitelsaal wurde im Gegensatz dazu wenig zweckentfremdet, da er im Film "Der Name der Rose" als Versammlungsraum für einen Disput zwischen Vertretern des Kaisers und solchen des Papstes benutzt wurde. In der Basilika wurde ein Chorgestühl aufgebaut und zum ersten Mal nach fast 200 Jahren ertönte in ihr wieder der tiefe Choralgesang der (Film-)Mönche.