Zum Hauptinhalt

Kirchenfenster von Michael Anthony Müller in der Basilika enthüllt

Kunst, Licht, Kontroverse – und ein neues Kapitel für eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Europas: Mit einem feierlichen Festakt sind am 5. Mai 2026 drei neue Kirchenfenster des deutsch-britischen Künstlers Michael Anthony Müller in der Basilika von Kloster Eberbach enthüllt worden.

Mit den drei großformatigen Glaskunstwerken hält zeitgenössische Kunst Einzug in einen der bedeutendsten historischen Räume Hessens – und setzt dort einen bewussten, vielschichtigen Akzent.

Die Enthüllung erfolgte im Beisein zahlreicher Gäste aus Kultur, Politik und Gesellschaft. Allen voran Staatsminister Ingmar Jung, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Kloster Eberbach: „Kloster Eberbach ist ein Ort, an dem Geschichte nicht nur bewahrt, sondern weitergedacht und erneuert wird. Seit seiner Gründung steht Kloster Eberbach für kulturelle, geistige und wirtschaftliche Strahlkraft weit über Hessen hinaus. Es ist Teil unserer Identität und es ist für uns als Hessische Landesregierung auch Verpflichtung. Als Land tragen wir Verantwortung für dieses Erbe. Eine Verantwortung, die sich nicht dadurch erschöpft, Mauern zu erhalten, sondern die sich darin zeigt, Räume zu öffnen. Für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, für Kultur und für vielfältige Veranstaltungsformate.“

Ein Projekt im Spannungsfeld der Debatte

Über drei Jahre dauerten Vorbereitung, Planung sowie der künstlerische Schaffensprozess. Unter der Initiative des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Kloster Eberbach, Julius Wagner, wurde das Projekt gemeinsam mit dem Künstler und unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange entwickelt. Die weltweit renommierten Derix Glasstudios aus Taunusstein haben den künstlerischen Entwurf für die Basilika umgesetzt.

Dabei ging der Entstehung eine intensive und teils kontroverse öffentliche Diskussion voraus. Die Frage, wie zeitgenössische Kunst in einem historischen ehemaligen Sakralraum wirken darf und soll, bewegte Öffentlichkeit, Fachwelt und Region gleichermaßen. Auch die Probeinstallation der Fenster löste unterschiedliche Reaktionen aus, denen sich die Stiftung Kloster Eberbach bewusst und offen stellte.

„Diese Auseinandersetzung ist Teil der Geschichte dieses Projekts. Sie zeigt, wie stark ein Ort wie Kloster Eberbach emotional und kulturell verankert ist – und wie wichtig der Dialog über seine Zukunft bleibt. Ich habe mich früh dafür eingesetzt, dass wir an diesem besonderen Ort auch den Mut zu zeitgenössischer Kunst aufbringen, und diesen Weg gemeinsam mit vielen Beteiligten konsequent verfolgt“, betont Julius Wagner.

„Dass wir heute hier stehen, verdanken wir in besonderem Maße dem außergewöhnlichen Engagement und der großen Bereitschaft von Michael Anthony Müller, sich mit diesem Ort, seiner Geschichte und auch mit der öffentlichen Debatte intensiv auseinanderzusetzen“, so Julius Wagner.

Es werde Licht

Für Benedikt Kuhn, Leiter der Hessischen Staatskanzlei, zeigt sich an diesem Projekt die Strahlkraft Hessens: „Kloster Eberbach ist ein Ort, an dem man spürt, was Hessen ausmacht: Geschichte, kulturelle Tiefe und der Wille, Zukunft zu gestalten. Diese Fenster zeigen genau das. Sie bewahren nicht nur Vergangenheit, sondern öffnen den Blick nach vorn. Ein starkes Zeichen für ein Land mit Haltung und kulturellem Selbstbewusstsein.“

Maßgeblich unterstützt wurde die Umsetzung der Kirchenfenster durch die Förderung von LOTTO Hessen, Geschäftsführer Martin Blach: „Heute wird ein Kunstprojekt sichtbar, das weit über den Rheingau hinaus Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird und das Kunst, Geschichte und Gegenwart eindrucksvoll verbindet. Mit LOTTO hilft Hessen sind wir gerne Teil davon, einmalige Orte wie Kloster Eberbach weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und erfahrbar zu machen und sie zugleich für nachfolgende Generationen attraktiv zu bewahren.“

Eine Frage der Liebe - ein Werk zwischen Mythos und Gegenwart

Die neuen Fenster an der Südseite des Querschiffs greifen zentrale Motive aus dem künstlerischen Schaffen von Michael Anthony Müller auf – einem Werk, das sich intensiv mit Spiritualität, Fragment, Erinnerung und Transzendenz auseinandersetzt.

Seine Fenster erzählen keine lineare Geschichte. Sie zeigen Fragmente, Spuren und Verdichtungen – ein Spiel aus Licht, Farbe und Bedeutung, das sich mit dem Tageslauf verändert und immer neue Lesarten eröffnet. Themen wie Liebe, Verlust, Zeit, Ewigkeit sowie Übergänge und Zyklen treten hervor – Motive, die auch tief in der klösterlichen Tradition verwurzelt sind.

Michael Anthony Müller: „Mich hat an Kloster Eberbach die Stille dieses Ortes berührt – und zugleich seine enorme innere Kraft.

Für mich ging es nie darum, etwas hinzuzufügen, sondern etwas sichtbar zu machen, das bereits da ist: Licht, Zeit, Erinnerung und die Offenheit für neue Betrachtungen. Dabei geht es gerade an einem Ort wie diesem um die Fragen, die wir uns seit Anbeginn der Zeit stellen – sind wir mehr als rein physische Wesen?“

Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums Frankfurt, anlässlich der Enthüllung: „Die Bildgewalt seiner vielschichtigen Schöpfungen macht Michael Müller zu einem der interessantesten Künstler seiner Generation. Zugleich zeigen Müllers Werke eine kontemplative, nahezu meditative Arbeitsweise, welche die Zeit und die Zeitlichkeit in das Zentrum der Auseinandersetzung rückt und damit den menschlichen Betrachter, der um seine eigene Vergänglichkeit weiß, auf sich selbst zurückwirft. Damit reflektiert der Künstler die Bedeutung und die Grenzen der Malerei im 21. Jahrhundert. Tag und Nacht, Leben und Tod, Realität und Abstraktion, Bild und Abbild werden in den Arbeiten Michael Müllers nicht nur gegenübergestellt, sondern transzendiert und schließlich auch versöhnt. Was in der monumentalen Präsentation im Städel Museum 2022 begann, das findet nun in der Basilika von Kloster Eberbach seine ebenso sinnreiche wie überwältigende Kulmination.“

Ein neuer Blick auf einen vertrauten Raum

Mit der Enthüllung der Fenster hat sich die Wahrnehmung der Basilika sichtbar verändert. Das einfallende Licht, die Farbigkeit und die künstlerische Setzung eröffnen neue Perspektiven auf einen Raum, der seit Jahrhunderten von Stille, Spiritualität und Gemeinschaft geprägt ist. Die Arbeiten von Michael Anthony Müller laden dazu ein, diesen Ort neu zu erleben: nicht als abgeschlossene Geschichte, sondern als lebendigen Raum im Wandel – offen für neue Deutungen, neue Fragen und neue Formen des Sehens.

Fragmenta in lumine – ein erweitertes Verständnis

Ergänzt wird die Projektenthüllung von der Ausstellung Fragmenta in lumine, die vom 5. Mai bis 6. September 2026 im Mönchsdormitorium von Kloster Eberbach zu sehen ist.

Sie führt die Gedanken hinter den Fenstern weiter und macht die künstlerischen Prozesse sichtbar, die zu ihrer Entstehung geführt haben. Zeichnungen, großformatige Leinwände und eine Skulptur greifen das Prinzip des Fragments auf und vertiefen die Auseinandersetzung mit An- und Abwesenheit, Erinnerung und Bedeutung. Das Fragment erscheint hier nicht als Mangel, sondern als produktive Form, als Spur, als Echo, als Anfang von etwas, das sich im Kopf der Betrachterinnen und Betrachter weiter entfaltet.

Die Arbeiten stehen in engem Dialog mit Müllers monumentalem Gemälde Der geschenkte Tag (2021–2025), das bereits im Frankfurter Städel gezeigt wurde und derzeit im Neuen Museum Berlin zu sehen ist. In ihrer Bildsprache bezieht sich die Kunst auf das Werk Magnesia am Sipylos (Fragment 1) und aktualisiert einen der großen Mythen der Antike: die Geschichte der Dioskuren Kastor und Polydeukes. Zwillingsbrüder, untrennbar verbunden – und doch getrennt durch Sterblichkeit und Unsterblichkeit. Ein ewiger Kreislauf von Leben und Tod, von Nähe und Verlust. Michael Anthony Müller übersetzt diese Erzählung in eine abstrakte, vielschichtige Formensprache.

Mehr über Fenster und Ausstellung erfahren

Pressemitteilung

Künstler Michael Anthony Müller vor den neuen Kirchenfenstern in der Basilika © Sven Moschitz

Eines der drei großformatigen Glaskunstwerke © Sven Moschitz

Von links: Kuratoriumsvorsitzender und Staatsminister Ingmar Jung, Leiter der Staatskanzlei Benedikt Kuhn und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Julius Wagner © Sven Moschitz

Von links: Geschäftsführer von LOTTO Hessen, Martin Blach, Künstler Michael Anthony Müller und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Julius Wagner © Sven Moschitz

06.05.2026 ⋅ Pressemeldung