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Zisterzienser und ihre Bücher

Zisterzienser und ihre Bücher

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Bildung, Wissenschaft und Theologie sind im Mittelalter abhängig von dem Umgang mit Texten, vom Bewahren von Vorlagen in Abschriften und von der Verbreitung solcher Werke eben durch die Abschrifttätigkeit der Mönche. Sie bildete die Grundlage mittelalterlichen Schriftgutes schlechthin. In Klöstern formierten sich Bibliotheksbestände, vielfach kleinere, aber auch umfangreiche und bedeutende wie etwa in den großen Reichsabteien der Reichenau, in Lorsch oder in St. Gallen. Auch die Zisterzienser des 12. Jahrhunderts kopierten in ihren Skriptorien Texte und schufen eigene Bibliotheken. Eberbach im Rheingau, die bedeutendste Zisterzienserabtei im Mittelrheingebiet und darüber hinaus, besaß ein Skriptorium und wohl schon früh eine Bibliothek, die später nicht nur um zahlreiche Handschriften, sondern auch nach dem Aufkommen des Buchdrucks, um wertvolle Inkunabeln erweitert wurde. Dieser umfangreiche Bestand war in dem ältesten heute noch erhaltenen Bibliotheksgebäude der Zisterzienser in Deutschland untergebracht.
Es ist das unschätzbare Verdienst Nigel F. Palmers von der Universität Oxford, in dem vorliegenden Werk die mittelalterlichen Eberbacher Handschriften- und Inkunabelbestände monographisch untersucht, zudem auch die Erstedition des Bibliothekskataloges von 1502 angeschlossen zu haben. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erforschung zisterziensischer Bibliotheksgeschichte im allgemeinen geleistet und konkret ein weites, zu Unrecht bislang wenig beachtetes Feld Eberbacher Geisteslebens erschlossen. Wir fühlen uns dem Ziel einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegenüber der großen kulturhistorischen Vergangenheit der Abtei verpflichtet und hoffen, dieser Aufgabe mit der Herausgabe dieses Standardwerkes gerecht geworden zu sein.