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Aktuelles vom Freundeskreis

Ihr Lieblingsort im Kloster Eberbach

Haben Sie auch einen Lieblingsort im Kloster, den Sie ganz besonders gerne aufsuchen? Oder hat es Ihnen ein Objekt im Museum oder im Rundgang ganz besonders angetan?

Dann geht es Ihnen wie uns, den Vorstandsmitgliedern des Freundeskreises Kloster Eberbach. Wir wollen Ihnen in den folgenden Monaten in loser Abfolge auf dieser Seite immer wieder solche Orte oder Objekte und die dazugehörige Person vorstellen, Ihnen so das Kloster nach Hause bringen und Sie ermutigen, bald wieder einen Besuch in Kloster Eberbach zu planen. Wir freuen uns auch über Zuschriften zu Ihrem ganz persönlichen Lieblingsort oder Lieblingsobjekt unter freundeskreis@kloster-eberbach.de (max. 150 Wörter).

Eine Mitgliedschaft im Freundeskreis Kloster Eberbach kostet 25,- Euro im Jahr. Sie unterstützen damit ausdrücklich Publikationen, Veranstaltungen und Vorträge zur Erforschung der Geschichte des Klosters und profitieren von Studienreisen, besonderen Veranstaltungen und der Gemeinschaft von historisch Interessierten. Wir freuen uns auf Ihren Mitgliedsantrag.

Zwei Engelsfragmente im Lapidarium

Dr. Margarete Prüch, Vorstandsmitglied des FKE

Schon lange warteten die Steinlager im Klosterhof auf eine genaue Sichtung. Dabei handelte es sich zum größten Teil um architektonische Relikte aus der langen Klostergeschichte. Schließlich gelang dem langjährigen Vorsitzenden des Freundeskreises Kloster Eberbach, Dr. Wolfgang Riedel, die Rettung der unwiederbringlichen Fragmente und eine sichere Verwahrung und Ausstellung in dem 2014 eröffneten Lapidarium. (Lapidarium = latein. lapis Stein)
Die Fragmente zweier um 1400 entstandenen Engelsfiguren sind besonders erwähnenswert. Die aus Oppenheimer Kalkstein gefertigten und farbig gefassten Engel sind in einem größeren architektonischen Zusammenhang zu sehen. Sie waren wahrscheinlich in einen Bogenlauf eingepasst. Als Zwickelfiguren zwischen profiliierten Rundstäben und Rundkehlen eingefügt, waren sie Teil eines Pfortengewändes. Dies lässt die Vermutung zu, dass sie zur Ausstattung der in der Gotik umgebauten oder komplett erneuerten romanischen Chorschranke im Mittelschiff der Kirche mit zwei oder drei hohen und schmalen Durchgängen gehörten. Dafür spricht auch, dass die stehende Figur, von der nur noch Gewand und eine Hand erhalten ist nach innen gerichtet scheint. Der kniende Engel besitzt noch Teile des Kopfes und Haare und ist nach außen gewandt. Diese Chorschranke trennte den Laienbrüderkonvent strikt vom Mönchschor.
Geben diese beiden Figuren Aufschluss über das Dekorsystem der verschwundenen Chorschranke?

Margarete Prüch


Literatur:
Hahn, Hanno. Die frühe Kirchbaukunst der Zisterzienser. Untersuchungen zur Baugeschichte von Kloster Eberbach im Rheingau und ihren europäischen Analogien im 12. Jahrhundert. Berlin 1957.
Untermann, Matthias. Handbuch der mittelalterlichen Architektur. Darmstadt 2009, S. 62-64.

Wie das Kloster Eberbach zu seinem Namen kam

Angelika Muskalla, Geschäftsführerin des FKE

Während meiner Rundgänge im Kloster erlebe ich häufig, wie selbst kleine Kinder sich für das sogenannte sprechende Wappen am einzig erhaltenen Möbelstück der Eberbacher Mönche, einem Nussbaumschrank aus der Zeit 1635, begeistern.
In Einzelteile zerlegt, lag das Möbel zunächst nach der Aufhebung des Klosters 1803 unbeachtet auf dem Dachboden.
Mit Ergänzungen wurde daraus 1885 ein Bücherschrank gebaut.
Das Wappen Kloster Eberbachs lässt sich selbst Kindern, die nicht lesen können, anhand des Schildes auf der rechten Schranktür anschaulich erklären.

Das sogenannte sprechende Wappen erzählt uns eine weit verbreitete Legende:

Ihr zufolge lädt Erzbischof Adalbert den Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux ein, im stillen Kisselbachtal im Rheingau das erste rechtsrheinische Zisterzienserkloster zu gründen.
Als die beiden Männer im Waldtal den passenden Platz für die Errichtung eines neuen Klosters besichtigen, bricht ein wilder Eber aus dem Wald hervor.
Vor den Augen der beiden zieht er mit seinem Rüssel eine große Furche in den Boden und springt anschließend über den Bach.
Hat der Eber damit den Standort des neuen Klosters markiert?
Bernhard und Adalbert verstehen dieses Geschehnis als Zeichen Gottes.
Hier an dieser Stelle soll – und nun liest sich das Wappen von oben nach unten –
Kloster - Eber - Bach gebaut werden.

Das Wappen zeigt mir außerdem, dass der Eber eine Ansicht der Klosterkirche auf dem Rücken trägt.
Dabei ist die ursprünglich romanische Ansicht der Dachreiter für mich überaus interessant, denn sie wurden mit zwiebelförmigen Hauben im 18. Jahrhundert barockisiert.

Angelika Muskalla


Literatur:
Kloster Eberbach. Augenblicke des Unvergänglichen. Stiftung Kloster Eberbach (Hrsg.), Matthias Dietz-Lenssen (Texte), Mainz 2005. S. 62/63.
Einsingbach, Wolfgang; Riedel, Wolfgang: Kloster Eberbach. 21. überarb. und aktual. Aufl. (DKV- Kunstführer 267) München/ Berlin 2019. S. 23 und 40.
Kloster Eberbach. Geschichte und Wein. Hrsg. Von Ralf Frenzl. Wiesbaden 2015. S. 42.

Abt Valentin Molitor (1600-1618)

Irene und Josef Hirschmann

Mit Abt Valentin bin ich schon seit vielen Jahrzehnten innig verbunden. Seine Grabplatte ist eine der besterhaltenen und schönsten Grabplatten, heute an der Nordwand der Kirche an 20. Stelle von der Kreuzgangstür aus gesehen.
Meiner Familie gehört die von ihm 1610 so großartig neu aufgebaute Mühle am Fuße des Mühlbergs in Kiedrich. Da er aus Rauenthal stammte, und ich mit meinem Mann 25 Jahre dort wohnte, konnten wir erreichen, dass eine Straße in dem kleinen Neubaugebiet seinen Namen trägt. 1563 geboren, wurde er mit 37 Jahren am 25. Juni 1600 zum 44. Abt gewählt. 1605 und 1609 war er im Generalkapitel in Cîteaux im Ausschuss für die Vorbereitung und Durchführung des Generalkapitels und brachte die Vicariatsgewalt (Stellvertreter des Generalabtes) für die Rheinischen Provinzen mit. Von seiner umfangreichen Korrespondenz sind noch drei Bände mit Briefkopien erhalten.
Er war ein glänzender Lateiner, Förderer von Wissenschaft und Kunst, hoch angesehen weit über Eberbach hinaus, aber auch ein ausgezeichneter Ökonom. Jedes Jahr schrieb er einen weinbezogenen Herbstbericht. Ende 1617 erkrankte der Abt schwer und starb, vom Konvent tief betrauert, mit 55 Jahren am 19. Januar 1618.

Irene Hirschmann


Literatur:
Staab, Josef: Valentinus Molitor aus Rauenthal. 44. Abt von Eberbach (1600-1618). In: Rheingau-Forum. Zeitschrift für Wein, Geschichte, Kultur 9, 2000, Heft 2, S. 12-19.

Monsees, Yvonne: Grabmäler in Kloster Eberbach – Ein Rundgang. Hrsg. vom Freundeskreis Kloster Eberbach, Eltville 2009, S. 40-42.

Eine beidseitig gestaltete Grabplatte

Doris Moos, 1. Vorsitzende des FKE

In der zweiten Südkapelle der Eberbacher Basilika von Westen befindet sich eine außergewöhnliche Grabplatte: sie ist von beiden Seiten gestaltet!
Ursprünglich war sie für das aus Erbach (Rheingau) stammende Ehepaar Kraft von Allendorf und Lisa Wolff von Sponheim vorgesehen. Sie wurde vermutlich aufgrund gravierender Fehler u.a. bei der Angabe des Sterbejahres verworfen und für den 1506 in Eberbach verstorbenen Abt Martin Rifflinck zweitverwendet.
Die Grabplatte dieses für das Kloster sehr bedeutenden Abtes galt lange Zeit als verschollen und wurde erst im Rahmen der Generalsanierung 2000 entdeckt.
Abt Martin Rifflinck lebte und wirkte einflussreich an der Zeitenwende um 1500 und beeinflusste die Eberbacher Geschichtsforschung nachhaltig durch seine außergewöhnliche Schreibtätigkeit, insbesondere durch sein akribisch geführtes Geschäftstagebuch. Während der Blütezeit des groß angelegten Eberbacher Weinhandels - dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Klosters – ließ er zum Jubeljahr 1500 das Große Fass mit 71.000 l Wein füllen, sowie aus diesem Anlass zahlreiche Renovierungen und Verzierungen im Klausurbereich vornehmen. Abt Martin ließ auch den berühmten Eberbacher Bibliothekskatalog von 1502 herstellen.

Doris Moos


Literatur:
Yvonne Monsees: Verloren und wiedergefunden – zur Grabplatte des Abtes Martin Rifflinck. In: Riedel, Wolfgang (Hrsg.). Das Zisterzienserkloster Eberbach an der Zeitenwende. Abt Martin Rifflinck (1498-1506) zum 500. Todesjahr. – Mainz 2007 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 120), S. (432) 433-447.

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Der Freundeskreis Kloster Eberbach hat die letzten Monate genutzt und an einem Alternativprogramm gearbeitet. Wir planen für Sie an dieser Stelle regelmäßig interessante und informative Beiträge verschiedener Wissenschaftler, die über Eberbach, neue Forschungsprojekte oder zisterziensische Themen sprechen werden.

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