Stiftung

Alter Friedhof rekonstruiert

Nördlich hinter der Klostermauer gelegen befindet sich ein historisches Kleinod, das bislang unter Büschen, Bäumen und Gestrüpp verborgen war: der alte Friedhof. Dieser ist Zeugnis für die wechselhafte Geschichte des Kloster Eberbachs.

1820 entstand die Friedhofsanlage in einer Zeit, in der Teile des ehemaligen Zisterzienser-Klosters Eberbach als Korrektionshaus Eberbach (1813 – 1873) und als „Irrenanstalt“ (1815 – 1849) genutzt wurden. Für die Bestattungen von Mitarbeitern, Bewohnern und Patienten wurde die Anlage bis 1856 immer wieder erweitert. Die „Irrenanstalt“, seit dem Umzug auf das Eichberggelände 1849 „Heil- und Pflegeanstalt Eichberg“, stellte die Friedhofsanlage 1878 außer Dienst, weil sie auf dem Eichberggelände über eigene Friedhofsareale verfügte. Der alte Friedhof geriet allmählich in Vergessenheit.

 

Kooperation mit Vitos Rheingau

 

„Zum Glück nicht bei allen – es gab immer wieder Menschen, die uns auf den alten Friedhof angesprochen haben“, erzählt Timo Georgi, Mitglied des Vorstandes der Stiftung Kloster Eberbach. Explizit zu erwähnen sei hier der ehemalige Ärztliche Direktor der Klinik Eichberg, Dr. Steffen Haas. Und so kam der Gedanke, diesen Teil der Eberbacher Geschichte zusammen mit Vitos Rheingau aufzuarbeiten. „Unsere Einrichtungen verbindet eine über 200-jährige Geschichte. Aus der „Irrenanstalt zu Eberbach“ wurde das psychiatrische Zentrum, das seit 2009 Vitos Rheingau heißt. Mit der Kooperation zur Instandsetzung des alten Friedhofs tragen wir dieser gemeinsamen Geschichte Rechnung“, betont der Geschäftsführer von Vitos Rheingau, Servet Dag.

 

Rekonstruktion des alten Friedhofs

 

Schon bei der ersten Begehung im Herbst 2016 wurden alle Grabsteine, die nach dem ursprünglichen Plan um 1870 vorhanden sein mussten, gefunden. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden wurde entschieden, den alten Friedhof möglichst originalgetreu zu rekonstruieren.

 

Anfang 2017 war es soweit: in einem ersten Projektschritt wurde das Friedhofsgelände freigelegt und hergerichtet. Dazu mussten zahlreiche Bäume gefällt und andere durch Kletterer verkehrssicher gemacht werden. Zwei der größeren Linden wurden nachgepflanzt ebenso wie eine Weißdornhecke auf der Südseite, die den Friedhof einfasst. Mit der Wiederherstellung des Mittelpfades ist die ursprüngliche Wegeführung erkennbar.

 

Schon die ersten Arbeiten wurden von vielen älteren Rheingauern mit großen Interesse verfolgt und so manch ein Besucher erinnerte sich noch daran, dass der Friedhof den Krieg weitestgehend intakt überstand und erst danach einiges umgestellt wurde, anderes verloren ging, ehe die Natur das Gelände zurückeroberte und sich über die geschichtsträchtige Stelle legte.

 

Neben den teilweise gut erhaltenen Grabsteinen mit lesbaren Inschriften wurden Reste möglicher weiterer Gräber entdeckt, die mit roten Pflöcken gekennzeichnet sind. Nach aktuellem Kenntnisstand befinden sich vermutlich etwa 25 Gräber auf dem Friedhof. „Deren Erhaltung und Pflege hat oberste Priorität“, so Timo Georgi. „Deshalb ist der alte Friedhof Teil einer offiziellen Vereinbarung zwischen der Stiftung und Vitos Rheingau, um die Pflege der Anlage langfristig zu sichern“, ergänzt Servet Dag.

 

 In den nächsten Monaten ist die Aufstellung einer Informationstafel und mehrerer Sitzbänke geplant, um diesen Teil der Geschichte für die Besucherinnen und Besuchern der Klosteranlage bewusst erfahrbar zu machen. 

 

Stiftung Kloster Eberbach

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